Gründen oder beitreten? Die Entscheidung vorab
Eine Energiegemeinschaft zu gründen bedeutet: Sie schließen sich mit anderen Erzeugern und Verbrauchern zusammen, geben der Gemeinschaft eine Rechtsform und melden sie beim Netzbetreiber an, damit Strom geteilt und vergünstigt abgerechnet werden kann. Bevor Sie damit anfangen, lohnt ein Blick auf die Alternative: In Österreich gibt es mittlerweile über 11.000 Energiegemeinschaften, davon mehr als 5.500 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. In Kärnten und der Steiermark findet sich in fast jedem Umspannwerksbereich eine aktive Gemeinschaft oder eine, die gerade entsteht.
Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die eine Energiegemeinschaft selbst gründen wollen, und erklärt die sechs Schritte von der Rechtsform bis zur ersten Abrechnung. Gemeinden, Betriebe und Wohnbauträger, die sich die Gründung abnehmen lassen möchten, finden das Angebot Energiegemeinschaft gründen lassen auf unserer Leistungsseite für Gewerbe und Gemeinden.
Gründen lohnt sich dann, wenn Sie mehrere Erzeuger und Abnehmer kennen, die an einem Trafo hängen, oder wenn eine Gemeinde oder ein Betrieb die Gemeinschaft als eigenes Projekt aufsetzen will. Zwei Personen können zwar eine Gemeinschaft gründen, der Aufwand mit Verein und Netzbetreibervertrag ist aber derselbe wie für zwanzig. Für kleine Gruppen ist der Beitritt der schnellere Weg, beschrieben im Artikel Energiegemeinschaft beitreten.
Rechtsform wählen: Verein, Genossenschaft oder GmbH
Die Gemeinschaft braucht eine eigene Rechtsperson. Der Verein ist für kleinere Gemeinschaften die einfachste und günstigste Variante, die Genossenschaft eignet sich für größere Gemeinschaften mit vielen Mitgliedern und Kapitalbedarf, die GmbH für Projekte, die ein Betrieb oder eine Gemeinde als Unternehmen führt.
| Rechtsform | Gründungskosten | Laufender Aufwand | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Verein | ca. 50 bis 150 € (Vereinsregister, Statuten, Konto) | Vorstand, Mitgliederversammlung, Buchhaltung oft ehrenamtlich; unter der Kleinunternehmergrenze ohne Umsatzsteuer | Nachbarschaften, Siedlungen, kleine Gemeinden |
| Genossenschaft | mehrere hundert € plus Revisionsverband jährlich | Revisionsverband, Buchhaltung, Generalversammlung | größere Gemeinschaften, Bürgerbeteiligung |
| GmbH | Notariat, Stammkapital, Firmenbuch | Buchhaltung, Jahresabschluss, Steuerberatung | Betriebe, Gemeinden mit eigenem Projekt |
Für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften gilt zusätzlich: Große Unternehmen ab 250 Mitarbeitern dürfen nicht teilnehmen, landwirtschaftliche Betriebe und Gewerbebetriebe darunter schon. Die Gemeinschaft darf nicht auf Gewinn ausgerichtet sein, der Nutzen muss bei den Mitgliedern bleiben. Den Ratgeber zu den Rechtsformen stellt die Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften kostenlos bereit (siehe Quellen).
In sechs Schritten zur eigenen Energiegemeinschaft
- Mitglieder im Nahbereich findenSprechen Sie Nachbarn, Betriebe oder die Gemeinde an. Ideal ist eine Mischung aus Erzeugern mit PV und Abnehmern mit Tagesverbrauch (Wärmepumpe, Gewerbe, Homeoffice). Entscheidend ist, dass alle am selben Trafo (lokal) oder zumindest am selben Umspannwerk (regional) hängen. Der Netzbetreiber prüft das über die Zählpunktnummer.
- Rechtsform gründenStatuten beschließen, Vorstand wählen, Verein beim Vereinsregister anmelden und ein Konto eröffnen. Die Statuten sollten Aufnahme, Austritt, Preisfestlegung und Aufteilungsschlüssel regeln.
- Smart Meter sicherstellenAlle Beteiligten brauchen einen Smart Meter mit aktivierten Viertelstundenwerten (Opt-in im Kundenportal des Netzbetreibers, dauert wenige Tage). Wer früher ein Opt-out gewählt hat, muss das rückgängig machen.
- Bei ebutilities und beim Netzbetreiber registrierenDie Gemeinschaft registriert sich kostenlos als Marktteilnehmer bei ebutilities und schließt den ebenfalls kostenlosen Vertrag mit dem Netzbetreiber (Kärnten Netz, Energienetze Steiermark, Stromnetz Graz). Danach werden die Zählpunkte über das EDA-Portal angemeldet, jedes Mitglied bestätigt die Datenfreigabe im eigenen Kundenportal.
- Preise und Aufteilungsschlüssel festlegenEinspeisepreis über dem OeMAG-Marktpreis im Jahresmittel (2026: 6,146 Cent im Juli bis 10,168 Cent im September), Bezugspreis unter dem Arbeitspreis der Lieferanten, typisch 8 bis 12 Cent Einspeisung und 12 bis 16 Cent Bezug. Die Differenz deckt die Gemeinschaftskosten. Dynamische Aufteilung nach tatsächlichem Verbrauch ist für die meisten Gemeinschaften effizienter als feste Prozentsätze.
- Betrieb starten und optimierenDie Zuordnung beginnt im Folgemonat nach der Anmeldung. Die Abrechnung läuft händisch oder über eine Plattform wie energyfamily, die Gutschriften und Rechnungen monatlich erstellt. Danach optimieren Sie die zeitliche Deckung, etwa mit Speicher und Energiemanagement.
Nahbereich: Lokal, regional oder österreichweit
Bei der Mitgliedersuche entscheidet nicht die Postleitzahl, sondern der Netzanschluss. Wer an derselben Trafostation hängt, bildet den Lokalbereich, wer am selben Umspannwerk hängt, den Regionalbereich. Der Unterschied ist bares Geld, weil der Netzentgelt-Abschlag davon abhängt.
| Reichweite | Verbindung über | Netznutzungs- und Netzverlustentgelt (Arbeit) | Elektrizitätsabgabe, Förderbeitrag |
|---|---|---|---|
| Lokale EEG | selber Trafo (Niederspannung) | minus 57 % | entfallen |
| Regionale EEG | selbes Umspannwerk (Mittelspannung) | minus 28 % | entfallen |
| Netzebene 4 und 5 (Betriebe) | ausschließlich Mittelspannung | bis zu 64 % | entfallen |
| Bürgerenergiegemeinschaft | österreichweit | voll, im Nahbereich ab Okt. 2026 reduziert | bleiben |
Strom teilen geht also auch österreichweit, etwa mit Verwandten in einem anderen Bundesland, dann aber als Bürgerenergiegemeinschaft ohne Netzentgelt-Rabatt und ohne Abgabenbefreiung. Für eine Gründung mit wirtschaftlichem Anspruch ist die lokale EEG das Ziel. Die Rechnung Position für Position steht im Artikel Energiegemeinschaft und Netzkosten, die regionalen Besonderheiten im Artikel Energiegemeinschaft Kärnten.
Was die Gründung kostet
Die Gründungskosten sind überschaubar, der laufende Aufwand ist der eigentliche Posten. Als Verein zahlen Sie etwa 50 bis 150 Euro für Vereinsregister, Statuten und Konto. Die Registrierung bei ebutilities, der Vertrag mit dem Netzbetreiber und das Smart-Meter-Opt-in sind kostenlos. Steuerberatung und Buchhaltung kosten null bis einige hundert Euro im Jahr, bei Vereinen oft ehrenamtlich gelöst.
Die Abrechnung ist der Punkt, an dem viele Gründer unterschätzen, was auf sie zukommt: Für jede Viertelstunde liefert der Netzbetreiber zugeordnete Mengen je Zählpunkt, die mit den vereinbarten Preisen multipliziert, Erzeugern gutgeschrieben und Abnehmern verrechnet werden müssen. Wer das händisch macht, zahlt mit Zeit. Wer eine Plattform nutzt, zahlt 2 bis 8 Euro je Zählpunkt und Monat oder 0,5 bis 2 Cent je abgerechneter Kilowattstunde. Umgelegt auf die Mitglieder sind das 25 bis 100 Euro im Jahr, denen typische Vorteile von 100 bis 300 Euro gegenüberstehen. Die vollständige Kostentabelle finden Sie im Artikel Energiegemeinschaft: Kosten und Abrechnung.
Faustregel für die Kalkulation
Liegt die jährliche Gebühr eines Mitglieds über 30 Prozent seines erwarteten Vorteils, ist die Gemeinschaft zu klein oder das Gebührenmodell falsch gewählt. Rechnen Sie vor der Gründung mit der voraussichtlichen Zuordnungsmenge durch: Ein Haushalt ohne Tagesverbrauch erreicht etwa 25 Prozent Zuordnungsquote, mit Wärmepumpe, E-Auto oder Homeoffice 40 bis 60 Prozent.
Wie lange die Gründung dauert
Rechnen Sie realistisch mit einigen Wochen bis Monaten, je nach Größe und Organisation. Der zeitliche Ablauf hängt weniger von den Behörden als von der Abstimmung unter den Mitgliedern ab: Statuten, Preisfindung und Aufteilungsschlüssel brauchen Einigkeit. Die Vereinsregistrierung und die Marktteilnehmer-Registrierung sind in wenigen Tagen erledigt, die Aktivierung der Viertelstundenwerte dauert ebenfalls wenige Tage je Zählpunkt.
Zum Vergleich: Der Beitritt zu einer bestehenden Gemeinschaft dauert in der Regel 4 bis 8 Wochen, weil die Zählpunktanmeldung beim Netzbetreiber nur zum Monatsersten wirksam wird. Diese Frist gilt auch für neu gegründete Gemeinschaften: Ab dem Folgemonat nach der Anmeldung wird der Strom zugeordnet.
Technische Basis für Ihre Gemeinschaft
Wir zeigen Ihnen kostenlos, wie Sie mit PV, Speicher und Energiemanagement zum starken Erzeuger Ihrer Gemeinschaft werden, und bündeln auf Wunsch mehrere Interessenten im Nahbereich.
Die technische Basis entscheidet über den Erfolg
Eine Energiegemeinschaft ist nur so gut wie die Erzeugung und die zeitliche Deckung ihrer Mitglieder. Vergünstigt wird nur Strom, der in derselben Viertelstunde erzeugt und verbraucht wird. Passt der Verbrauch der Mitglieder zeitlich nicht zur Erzeugung, bleibt der Vorteil klein, egal wie sauber die Gründung gelaufen ist.
Als Erzeuger mit einer gut geplanten Photovoltaikanlage, einem Speicher und einem Energiemanagementsystem steigern Sie den Anteil des sinnvoll geteilten Stroms erheblich. Der Speicher verschiebt Überschuss in die Abendstunden, in denen Abnehmer mehr brauchen, das Energiemanagement legt steuerbare Lasten wie Wärmepumpe oder Wallbox in die Erzeugungszeiten. Wer ein Energiemanagementsystem einsetzt, kann seit Juni 2026 die EMS-Förderung des Klimafonds nutzen: Die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft ist dort eine der sechs zulässigen Betriebsoptionen.
Ausblick: Was das ElWG ab Oktober 2026 ändert
Mit 1. Oktober 2026 treten die Bestimmungen des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes zur gemeinsamen Energienutzung in Kraft. Bestehende Gemeinschaften laufen weiter und werden ins neue System übergeführt. Neu sind Peer-to-Peer-Verträge: Strom kann ohne Verein direkt an eine Person verkauft oder verschenkt werden. Für Einzelfälle wie Eltern und Kinder ersetzt das die Gründung, für Nachbarschaften nicht, denn die Befreiung von Elektrizitätsabgabe und Förderbeitrag bleibt der Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft vorbehalten. Ab 1. Jänner 2027 gilt zudem eine neue Netzentgeltstruktur. Ob sich die Abschläge von 57 und 28 Prozent ändern, ist offen. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald die Verordnung vorliegt.
Fazit: Energiegemeinschaft gründen
Eine Energiegemeinschaft zu gründen ist gut machbar, wenn man den Ablauf kennt: Mitglieder im Nahbereich, Rechtsform, Smart Meter, Registrierung, Preise und Aufteilung, Betrieb. Die Kosten sind mit 50 bis 150 Euro für den Verein und 2 bis 8 Euro je Zählpunkt und Monat für die Abrechnung überschaubar. Über den tatsächlichen Nutzen entscheidet die technische Basis. Mit einer starken PV-Anlage, einem Speicher und einem Energiemanagementsystem legen Sie dafür das Fundament, und dabei unterstützt Sie EBZ von der Planung bis zur Installation.
Starker Erzeuger werden
Wir liefern die technische Basis, damit Ihre Energiegemeinschaft von Anfang an gut funktioniert, und übernehmen auf Wunsch die Anbindung an die Abrechnungsplattform.
Ihr Partner für Photovoltaik und Energiegemeinschaft: EBZ Energie
Wir übernehmen zwar nicht die Vereinsgründung, aber das Entscheidende für den Erfolg: eine leistungsfähige PV-Anlage, den passenden Speicher und ein Energiemanagementsystem, das Erzeugung und Verbrauch abstimmt. EBZ Energie aus Villach installiert alles aus einer Hand, mit einem Team aus zertifizierten Fachkräften in Kärnten und der Steiermark, und bindet Ihre Gemeinschaft auf Wunsch an die Abrechnungsplattform unseres Partners energyfamily an.
- EBZ Energie GmbH, Triglavstraße 15, 9500 Villach
- +43 650 220 26 26
- office@ebz-energie.com
- Mo bis Fr: 10:00 bis 20:00 Uhr
Häufige Fragen
Wie gründe ich eine Energiegemeinschaft?
Welche Rechtsform braucht eine Energiegemeinschaft?
Wie viele Teilnehmer braucht eine Energiegemeinschaft?
Was kostet die Gründung?
Wie lange dauert die Gründung?
Müssen alle Mitglieder am selben Trafo hängen?
Welche Preise soll die Gemeinschaft festlegen?
Welche technische Basis brauche ich?
Fachlich geprüft von Mario Zintl, Geschäftsführung EBZ Energie GmbH. Mario Zintl führt die EBZ Energie GmbH in Villach. Sein Team plant und installiert PV-Anlagen, Speicher und Energiemanagementsysteme in Kärnten und der Steiermark und liefert die technische Basis für Energiegemeinschaften. Die Inhalte werden anhand der Vorgaben von E-Control und der Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften aktualisiert. Keine Rechts- oder Steuerberatung.
